Alice Munro (1931-2024): Eine Würdigung

Gorßeltern sitzen mit ihren Enkeltöchtern auf einer Veranda

Alice Munro, die kanadische Schriftstellerin, Meisterin der Kurzgeschichte, Literaturnobelpreisträgerin von 2013, ist tot. Sie ist am 13. Mai gestorben. Geschrieben hat sie seit 2012 nicht mehr und das war ihr gutes Recht, sie war damals schon über achtzig. Aber was sie hinterlassen hat, ist ein Werk, das einzigartig ist.

Gorßeltern sitzen mit ihren Enkeltöchtern auf einer VerandaAlice Munros Protagonisten sind meistens Frauen. Frauen stehen meist auch im Mittelpunkt ihrer Geschichten. Familien. Das Zwischenmenschliche. Ihre Geschichten handeln von der Ablösung von den Eltern, der Unsicherheit der Pubertät, dem Scheitern von Ehen, dem Zurechtkommen mit Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen stellt, dem Hineinwachsen in die Mutterrolle, oft auch über Verlust – das alles und viel mehr waren ihre Themen. Diese Themen schweben vor allem im Ungesagten, zwischen den Zeilen, den Wörtern. In ihren Geschichten passiert häufig nichts Dramatisches, sie schildert Alltäglichkeiten. Das war ihre große Kunst: Einen die Dinge fühlen, erfahren zu lassen, ohne sie zu sagen.

Eine weitere große Kunst ist, wie sie eine Stimmung, einen Ort, eine Zeit einfangen kann; die Schläfrigkeit eines heißen, drückenden Sommertags, die klirrende Kälte eines kanadischen Wintermorgens, den Geschmack von reifen Himbeeren, die man sich von einer Hecke gepflückt hat. Sie fängt Sinneseindrücke ein und entwirft Metaphern, die einen unmittelbar hineinversetzen.

Kunst ist auch, wie sie ihre Kurzgeschichten erzählt. Sie widersetzen sich der traditionellen Struktur, starten in der Mitte oder am Ende, entrollen sich mal rückwärts, mal vorwärts, mal beides, setzen die Geschichte in Bruchstücken zusammen, bis man ein Bild erhält.

Ihre Kunst zeigt sich in ihren häufig offenen Enden, die Lesende animieren, den Gefühlen nachzuspüren, mit denen ihre Protagonistinnen und wir die Geschichte verlassen. Der Frage, wie ihr Leben weitergehen kann und wird.

Für mich ist Alice Munro eine der größen Schreibenden des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Ich bin sicher, dass ihr Einfluss noch lange anhalten wird.

10 Klassiker der Literatur, die man nicht lesen muss

Historische Bibliothek mit alten Büchern

Historische Bibliothek mit alten BüchernKennt ihr diese Artikel, in denen euch gesagt wird, welche Klassiker der Literatur ihr gelesen haben solltet? dtv sagt es uns, literaturtipps.de, ntv und viele, viele mehr. Aber welche Klassiker muss man nicht lesen?

Ich könnte die Frage mit einem Satz beantworten – man braucht keinen einzigen gelesen zu haben –, aber das wäre ja langweilig.

Warum sollen wir Klassiker lesen?

Was zeichnet diese Werke aus, dass man sie dreißig, dreihundert oder dreitausend Jahre nach ihrer Entstehung noch gelesen haben soll? Als Gründe werden angeführt:

  • weil sie spätere Schriftsteller bzw. die Gesellschaft als Ganzes stark beeinflusst haben,
  • weil in ihnen innovative neue Schreibtechniken verwendet bzw. perfektioniert werden,
  • weil sie Grundlegendes zu einem wichtigen Thema zu sagen haben und
  • weil man durch sie viel über die Zeit lernen kann, in der die Romane spielen.

Wenn das wahr ist, warum steht dann „Germinal“ von Émile Zola, auf den alle Punkte in einem gewissen Maß zutreffen, nicht auf diesen Listen?1Ein Roman, der uns die entwürdigenden Bedingungen, die in französischen Bergwerken im 19. Jahrhundert herrschten, und die unmenschliche Ausbeutung von Arbeitskräften eindringlich vor Augen führt.

Warum brauchen wir Klassiker nicht zu lesen?

Wir gehen jetzt alle mal kurz in uns und überlegen, warum wir lesen. Privat lese ich:

  • weil ich gut unterhalten werde,
  • weil mich das Thema, das Setting und/oder die Hauptpersonen faszinieren,
  • weil es mir stilistisch und sprachlich gefällt,
  • weil ich die Handlung glaubwürdig, spannend und überraschend finde,
  • weil der Roman Grundlegendes zu einem wichtigen Thema zu sagen hat und
  • weil ich dadurch etwas Neues lerne. Vielleicht über eine mir fremde Kultur oder Zeit, vielleicht aber auch weil ich einen neuen Blickwinkel auf etwas Vertrautes erhalte.

Als Lektorin interessiert es mich beispielsweise außerdem, wie sich Klischees über die Jahrhunderte gewandelt haben oder wie Dialoge im 19. Jahrhundert geschrieben wurden. Darum lese ich manchmal ältere Werke, die ich sonst wohl nicht läse.

Aber mir erschließt sich nicht, warum irgendjemand „Mrs. Dalloway“ von Virginia Woolf lesen sollte, nur weil es als einer der frühesten Romane gilt, in denen der Bewusstseinsstrom eingesetzt wird. Damit man beiläufig erwähnen kann, dass die Verflechtung von Thema und Stil durch den Bewusstseinsstrom in „Mrs. Dalloway“ ausgereifter sei als bei „Schall und Wahn“ von William Faulkner, um so die eigene Intellektualität zu demonstrieren?

Lesen soll aus meiner Sicht als allererstes Spaß machen. Verdirbt euch einer der folgenden Punkte die Freude daran?

  • Altmodische und schwer verständliche Sprache,
  • Stil oder Sprache, die euch nicht gefallen,
  • Weitschweifigkeit,
  • unglaubwürdige Zufälle,
  • unsympathische Hauptfiguren.

Dann sehe ich keinen Grund, warum ihr das Buch trotzdem lesen solltet, nur weil es als Klassiker gilt.

Von der „Ilias“ bis zu „Faust“

Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus,
Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte,
Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Aïs
Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden,
Und dem Gevögel umher. So ward Zeus Wille vollendet:
Seit dem Tag, als erst durch bitteren Zank sich entzweiten
Atreus Sohn, der Herrscher des Volks, und der edle Achilleus.

Homer: Ilias

Ich möchte beim Lesen eigentlich nicht ein Lexikon zur griechischen Mythologie und eine Interpretationshilfe neben mir liegen haben und nach jeder Zeile etwas nachschlagen, um zu verstehen, worum es geht. Dabei muss ein Klassiker nicht einmal Jahrtausende alt sein, um Verständnisprobleme zu bereiten.

Die Sonne tönt, nach alter Weise,
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.

Johann Wolfgang von Goethe: Faust

Eingängiger als die „Ilias“, aber trotzdem was soll „Die Sonne tönt in Brüdersphären Wettgesang“ bedeuten?

Von „Ulysses“ bis „Der Process“

In dem Youtube-Video „Why you should read James Joyce’s ‚Ulysses‘“ heißt es, dass jedes Kapitel in einem anderen Stil geschrieben ist – als Theaterstück, als spätviktorianischer Liebesroman, als Entwicklung vom Altsächsischen über das mittelalterliche Englisch bis zur Sprache aus Joyce‘ Zeit etc.2Oder dass der Roman gespickt ist mit Anspielungen auf mittelalterliche Philosophie, die Odyssee, die Symbolik von Tatoos usw. Für mich ist das ein Grund, „Ulysses“ nicht zu lesen. Es klingt, als habe Joyce mit seiner Bildung angeben wollen, indem er viele Stile imitiert. Schön für ihn, dass er so belesen war, aber hätte er nicht einfach einen unterhaltsamen Roman schreiben können?

Der Bewusstseinsstrom ist auch ein Stilmittel, dem ich nichts abgewinnen kann, sodass ich Bücher, in denen er genutzt wird, meistens weglege. Ich bewundere dagegen den Stil von Franz Kafka, das Absurde, Traumhafte und gleichzeitig Nüchterne. Sein Einsatz erzeugt in „Der Process“ Beklemmung und verstärkt die Ohnmacht, die der Protagonist gegenüber einer gesichtslosen, scheinbar willkürlich agierenden Institution verspürt. Nur sagt mir genau dieser Stil nicht zu, weshalb es mir schwerfiel, das Buch zu lesen.

Von „Verlorene Illusionen“ bis „Reise um die Erde in 80 Tagen“

Honoré de Balzac, Autor von „Verlorene Illusionen“, ist der Typ, der euch auf einer Party alle fünfzig anwesenden Gäste vorstellt und sich für jeden fünf Minuten Zeit nimmt, in denen ihr alles erfahrt über ihre Herkunft, die Berufe ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters, ihre Lieblingsfarbe, Namen, Rasse und Verhalten jedes Hundes, den sie besessen haben, alle Kinderkankheiten, die sie hatten, den Zustand ihrer Ehe, ihre Gedanken über die Geranien der Nachbarin sowie eine ausführliche Beschreibung der Kleidung, die sie auf der Party tragen, ergänzt dadurch, wo sie die Kleider gekauft haben und warum sie keins der anderen acht Sommerkleider/-anzüge tragen können, die sie besitzen. Wenn ihr dann völlig erschöpft in den Seilen hängt, erfahrt ihr, dass ihr von allen Anwesenden genau zweien im weiteren Verlauf des Romans wiederbegegnen werdet, eine davon die unsympathische Hauptfigur Lucien Chardon. Danke, Balzac!

Diese Art des ausschweifenden Schreibens ist ein Phänomen früherer Jahrhunderte. Die Handlung kommt kaum voran. Die Charaktere und ihre Vorgeschichte werden nicht durch Aktionen und Dialoge gezeigt, sondern ein (oft auktorialer Erzähler) berichtet sie uns in epischer Breite.

Phileas Fogg trachtete danach, durch nichts und niemandem aufzufallen; und doch zählten ihn seine Zeitgenossen zu den eigenwilligsten und berühmtesten Mitgliedern des Londoner Reform Club. Darüber hinaus wusste man so gut wie nichts von ihm, es sei denn, dass er ein vollkommener Gentleman und eine der elegantesten Erscheinungen der englischen Oberschicht war.

Man sagte ihm eine Ähnlichkeit mit Lord Byron nach – natürlich nur in den Gesichtszügen; denn Mr. Foggs Füße waren tadellos geformt. Vom echten Byron unterschieden ihn auch der modische Schnauz- und Backenbart, aber er trug sich mit derselben erhabenen Gelassenheit wie sein Vorbild, dem sogar 1000 Lebensjahre keine Alterszeit aufgedrückt hätten.

Jules Verne: Reise um die Erde in 80 Tagen

Das war das erste Siebtel der Beschreibung von Phileas Fogg zu Beginn des Romans. Die Vorlieben haben sich aber geändert hin zu einer temporeicheren, szenischeren Erzählweise. Würden „Anna Karenina“ (Lew Tolstoi), „Der Glöckner von Notre-Dame“ (Victor Hugo) oder „Dracula“ (Bram Stoker) heutzutage verfasst, wären sie deutlich kürzer und kompakter. Selbst bei älteren Werken, die ich mag, neige ich dazu, solche Passagen zu überspringen.

Von „Der Glöckner von Notre-Dame“ bis „Oliver Twist“

Auch ein gehäuftes Auftreten zufälliger, unglaubwürdiger Geschehnisse ist ein typisches Phänomen von Romanen des 20. Jahrhunderts. In „Der Glöckner von Notre-Dame“ ist die Verrückte, die auf Esmeralda bis zu ihrer Hinrichtung aufpassen soll, ihre Mutter, der Esmeralda als Kleinkind vor fünfzehn Jahren in Reims gestohlen wurde. Sie erkennt Esmeralda an einem Kinderschuh, den diese bei sich trägt.

In „Oliver Twist“ von Charles Dickens stellt sich heraus, dass Olivers erster Wohltäter, der ihn zufällig und aus reiner Herzensgüte aufnimmt, ein Freund seines verstorbenen Vaters ist, während Olivers zweite Wohltäterin, die sich seiner ebenfalls aus reiner Herzensgüte annimmt, zufälligerweise seine Tante ist.

Dieser Trick wird auch in modernen Geschichten immer noch genutzt, um die Handlung voranzutreiben. Aber durch das höhere Tempo, mehr Spannung und weil es manchmal besser versteckt wird, übersehen wir unlogische Wendungen eher.

Von „Schuld und Sühne“ bis „Berlin Alexanderplatz“

Damit ich einen Roman gerne lese, brauche ich eine Hauptfigur, mit der ich mich identifizieren kann. Wenn ich nicht gespannt verfolge, wie Protagonisten Gefahren überstehen und ihre Ziele erreichen, sondern mir nichts sehnlicher wünsche, als dass sie scheitern mögen, habe ich das Gefühl, dass irgendetwas schiefgelaufen ist. Hauptfiguren, denen ich das wünsche, sind Lucien Chardon aus „Verlorene Illusionen“, Esmeralda aus „Der Glöckner von Notre-Dame“, Catherine und Heathcliff Earnshaw aus „Sturmhöhe“ (Emily Bronté), Franz Biberkopf aus „Berlin Alexanderplatz“ (Alexander Döblin) und Rodion Romanowitsch Raskolnikow aus „Schuld und Sühne“ (Fjodor Dostojewski).

Das Leben ist zu kurz, um Klassiker zu lesen

Ich habe lange Klassiker gelesen, weil man sie gelesen haben müsse. Vor ein paar Jahren habe ich beschlossen, dass das Leben dafür zu kurz ist. Das bedeutet nicht, dass ich keine Klassiker mehr lese, sondern dass ich sie danach auswähle, ob sie mir vom Stil, von der Handlung, dem Thema und den Figuren gut genug gefallen, dass ich sie zu Ende lesen möchte. Und wenn ich die Wahl habe, ob ich das erste Mal „Ulysses“ fertiglese oder das vierte Mal „The Untamed“3Sorry, ich lasse ungern eine Gelegenheit aus, auf meine chinesischen Serien hinzuweisen. schaue, ist die Entscheidung sehr einfach. Denn die Frage ist doch: Möchte ich irgendwen mit meiner Bildung beeindrucken oder möchte ich meine Freizeit genießen? In dem Sinne: Lest oder schaut also doch einfach mal was abseits unserer eurozentrischen Norm. 😉

Was haltet ihr von meiner Clickbait-Überschrift? Angeblich muss man immer eine Zahl dazuschreiben, wenn man einen Artikel verfasst wie „Die besten Bluetooth-Kopfhörer“ oder „Mittel, die garantiert gegen Haarausfall helfen“ oder „Gadgets, die man immer dabei haben sollte“. Also habe ich einfach mal die Zahl 10 genommen, ohne mich drum zu kümmern, über wie viele Klassiker ich geschrieben habe.

11 Klassiker der Literatur, die man lesen muss

Alte Bibliothek mit Stuckdecke und marmornen Säulen.

Oder auch nicht. Ganz wie ihr wollt. Aber wenn ihr beim Lesen Spaß haben wollt und euch für Klassiker der Literatur interessiert, habe ich elf Tipps für euch. Denn es gibt sie, die Klassiker, die sich immer noch gut lesen lassen.

Was war das noch mal, ein Klassiker?

Ein Klassiker ist ein Werk, das

  • ein zeitloses Thema1z. B. die große Liebe verlieren, Loyalität versus dem eigenen Gewissen folgen etc. auf eine Art und Weise behandelt, dass wir heute noch davon berührt werden,
  • Generationen von Menschen, insbesondere Schriftstellern, beeinflusst hat,
  • ein Genre wesentlich geprägt hat, durch seinen Inhalt oder einen innovativen, neuen Stil und seine Sprache,
  • uns lebendige Einblicke in eine vergangene Zeit gibt.

Klingt doch eigentlich nicht schlecht. Warum liest man Literaturklassiker meistens trotzdem nur gezwungenermaßen in der Schule? Die Antwort findet ihr hier:

Wer legt fest, auf welche Werke diese Kriterien zutreffen? Wer bestimmt, ob ein Buch zur Weltliteratur zählt oder „nur“ ein Klassiker der deutschen Literatur ist? Verlage? Literaturkritiker? Ein Komitee aus Buchlingen? Leider gibt es weder ein Komitee noch einen verbindlichen, von diesem beschlossenen Kanon der Klassiker, in dem man nachschlagen kann.

Aber wie alt ein Roman sein muss, um zu den Klassikern zu gehören, das kann man doch sagen, oder? Ab wann sich feststellen lässt, ob er wesentlichen Einfluss auf unsere Kultur hat? Für Penguin reichen bereits wenige Jahre, um als moderner Klassiker zu gelten.

Meine Vorschläge dagegen enden in den 1920ern. Nicht, weil ich glaube, dass man erst nach hundert Jahren sagen kann, was zu den Klassikern der Literatur zählt. Sondern weil einige der Gründe, aus denen wir uns mit Klassikern schwertun, mit Beginn des 20. Jahrhunderts verschwinden. Die langatmigen Beschreibungen und unwesentlichen Abschweifungen werden seltener und auch die Sprache wandelt sich, wird moderner. Ich will euch aber vor allem die älteren schmackhaft machen, bei denen man befürchtet, sich durchzuquälen.

Meine Tipps

Alte Bibliothek mit Stuckdecke und marmornen Säulen.Gotthold Ephraim Lessing: „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“ (1767)

Dem Theaterstück merkt man sprachlich das Alter an, aber witzig ist es immer noch. Minna von Barnhelm reist ihrem Verlobten Major von Tellheim nach Berlin hinterher, da sie seit Monaten nichts von ihm gehört hat. Zwar findet sie ihn, aber er möchte die Verbindung lösen, weil ihm Bestechlickeit im Amt vorgeworfen wird, und lehnt jede Hilfe von ihr als auch von Freunden ab. Sie ersinnt eine Intrige, um ihn umzustimmen.

Jane Austen: „Stolz und Vorurteil“ (1813)

Ein Buch, das – wie weitere auf dieser Liste – eigentlich keine Vorstellung braucht. Die stolze Elizabeth Bennett und der hochmütige Fitzwilliam Darcy müssen beide lernen, ihre Vorurteile abzulegen und über andere nicht zu urteilen, bevor sie zueinander finden können.

 Charles Dickens: „Weihnachtslied“ (1843)2auch bekannt als „Eine Weihnachtsgeschichte“ oder „Ein Weihnachtsabend“

Der Geizhals Ebenezer Scrooge erhält am Weihnachtsabend Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber und drei Geistern, die ihm die Augen dafür öffnen, was wirklich zählt im Leben – und das ist nicht, noch mehr Geld zu scheffeln. 😉

Lewis Caroll: „Alice im Wunderland“ (1865)

Wer von uns würde nicht einem sprechenden weißen Kaninchen mit Taschenuhr in seinen Bau folgen? Ich würde es machen in der Hoffnung, der Grinsekatze zu begegnen. Oder würdet ihr lieber Tee mit dem verrückten Hutmacher trinken oder Krocket mit der Herzkönigin spielen?

Emile Zola: „Germinal“ (1894)

Germinal ist keine leichte Lektüre.3auch weil es sehr ausufernd ist Etienne Lantier, ein Maschinist und Verfechter des Sozialismus, führt die Minenarbeiter in Voreux zum Streik gegen die Ausbeutung durch die Grubenbesitzer und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Aber nicht alle schließen sich an. Wird es den Arbeitern trotzdem gelingen, ihre Forderungen durchzusetzen?

Orson Wells: „Die Zeitmaschine“ (1895)

Ein Erfinder reist mit seiner Zeitmaschine in die Zukunft und trifft auf die kindlichen, sorglosen, humanoiden Eloi, die ein paradiesisches Leben ohne Arbeit zu führen scheinen. Aber wer versorgt sie mit allem, was sie brauchen? Und warum haben sie solche Angst vor der Dunkelheit? Als der Zeitreisende diesen Fragen nachgeht, stößt er auf erschreckende Antworten.

Orson Wells: „Krieg der Welten“ (1898)

Es ist ein riesiges Spektakel für die Bewohner von Woking, Surrey, als ein vermeintlicher Meteor landet. Die Aufregung wird noch größer, als sich herausstellt, dass es sich um eine Art Raumkapsel handelt, aus der Marsianer steigen. Doch sie sind nicht in friedlicher Absicht gekommen …4Wer hätte es bei dem Titel gedacht? 😉

Arthur Conan Doyle: „Sherlock Holmes“ (1887-1927)

Bis zur BBC-Serie „Sherlock“ konnte ich mich mit dem berühmten Detektiv nicht anfreunden. Zu kalt, zu rational und arrogant war er mir. Aber Benedict Cumberbatch und Martin Freeman haben den Figuren eine emotionale Tiefe gegeben, die ich nun mitlese, wenn ich das Ursprungswerk aufschlage. Ist es nicht großartig, was Kunst imstande ist zu leisten? Dass neue Interpretationen dazu in der Lage sind, uns einen Zugang zum Original zu eröffnen?

J. M. Barrie: „Peter und Wendy“ (1911)

„Alle Kinder werden erwachsen. Nur eines nicht.“5J. M. Barrie: Peter und Wendy. Noch einer dieser großartigen Buchanfänge. Vordergründig ist „Peter und Wendy“ ein Abenteuerfantasyroman mit Piraten, Indianern, Feen, Meerjungfrauen und einem tickenden Korokodil. Aber es ist auch ein Roman darüber, warum wir erwachsen werden und welchen Preis man zahlt, wenn man sich dem verweigert.

Arthur Conan Doyle: „Die vergessene Welt“ (1912)

Professor Challenger behauptet, dass auf einem versteckten Hochplateau in Südamerika als ausgestorben geltende Tierarten überlebt haben. Doch er wird für einen Betrüger gehalten. Um seine Aussagen zu beweisen, führt er eine Expedition auf das Plateau. Ein unterhaltsamer Mix aus Abenteuer und Science-Fiction.

Agatha Christie: „Alibi“ (1926)

„Alibi“ ist mein Lieblingskrimi von Agatha Christie. Mit ihm gelang ihr der Durchbruch als Schriftstellerin und sie löste mit dem Buch in den Reihen der Krimischriftsteller einen Skandal aus, weil sie etwas tat, was man angeblich nicht tun darf – aber gerade das macht den Roman so außergewöhnlich (gut).

Ja, ich weiß, Autorinnen sind rar auf meiner Liste. Kennt ihr einen Klassiker der Literatur, der von einer Frau geschrieben wurde und von dem ihr meint, er gehöre auf meine Liste? Oder einen anderen Klassiker, den ihr für lesenswert haltet?

Was auf meiner Liste ganz fehlt, sind Klassiker außerhalb meines Kulturkreises. Auch das sollten wir uns immer wieder bewusst machen. Wenn wir in Nordeuropa über Klassiker reden6oder ganz allgemein über Literatur, meinen wir die der westlichen Kultur. Welche chinesischen Klassiker gibt es? Welche Werke haben die türkische Literatur maßgeblich beeinflusst? Welche afrikanische Autorin hat mit ihrem innovativen Stil eine neue Epoche in der Belletristik eingeläutet? Ich weiß es nicht, wüsste es aber gerne.

Falls ihr Lust bekommen habt, einen der Romane zu lesen, zum Glück gibt es das Projekt Gutenberg, in dem viele urheberrechtsfreie Werke auf Deutsch verfügbar sind,  sowie das internationale Project Gutenberg mit Büchern in vielen Sprachen, hauptsächlich aber Englisch.

Fantasy: Schon mal Xianxia ausprobiert?

Blick in eine Buchhandlung in Japan

Blick in eine Buchhandlung in JapanHat euer Interesse an Fantasy die letzten Jahre auch stark nachgelassen? Mir zumindest ging es so. Denn bevor ich einen Fantasyroman aufschlage, kann ich schon ziemlich genau vorhersagen, was mich erwartet: eine Welt, die dem (west-)europäischen Mittelalter, (west-)europäischer Kultur und (west-)europäischer Landschaft nachempfunden ist, d. h. mit Königreichen, Kriegen, stereotypen Geschlechterrollen, Magie, die von Hexen (auf Besen, halten Katzen) oder Zauberern (mit Zauberstab, tragen einen weißen, langen Bart) praktiziert wird, einem oder einer Auserwählten und vielen weißen Männern. Manchmal heißen die Protagonisten sogar Jim, John und Joe. Auch wenn die Handlung fantastisch ist, langweilen mich diese immergleichen Settings.1Okay, und die stereotypen Geschlechterrollen und die deutliche Unterrepräsentation von weiblichen Protagonisten regen mich auf. Gerade in der Fantasy hat man doch so viel Freiheit, ungewöhnliche Welten zu entwerfen.

Dann bekam ich „The Untamed“ empfohlen

Tweet zur chinesischen Fantasyserie The Untamed: Ich war noch nie von irgendetwas in meinem Leben besessener.Die Serie,2die von der Webnovel Mó Dào Zǔ Shī (The Grandmaster of Demonic Cultivation) von Mo Xiang Tong Xiu adaptiert wurde. die zum chinesischen Fantasy-Untergenre Xianxia3Das zweite wichtige chinesische Subgenre ist Wuxia.gehört, war 2019 eine der erfolgreichsten in China.4Insbesondere die Serie hat auch eine große und obsessive Anhängerschaft außerhalb. Nachdem zahlreiche Fanübersetzungen der Webnovel entstanden, haben sich 2021 Tokyopop fürs Deutsche und Seven Seas Entertainment fürs Englische die Rechte gesichert. Ich hatte zuerst Probleme, mich in dieser Welt zurechtzufinden, denn

  1. sie beruht auf einer ganz anderen Kultur. Ich kenne die historischen Personen nicht, auf die Bezug genommen wird, nicht die Hochzeitsbräuche, nicht die daoistischen Konzepte, die das Magiesystem beeinflusst haben, und nicht die symbolische Bedeutung von Kaninchen in der chinesischen Mythologie;
  2. chinesische Fantasy unterscheidet sich stark von unserer. Die Welt entspricht oft dem chinesischen Mittelalter, Clans ersetzen unsere Adelsgesellschaft, statt Magie wird Kultivierung genutzt und Kultivierer fliegen5Surfen genaugenommen. auf ihren Schwertern. Außerdem gibt es viele asiatische Männer, zu häufig stereotype Geschlechterrollen und wenig Frauen.

Ich war stundenlang damit beschäftigt, zur Serie und zu Xianxia zu lesen, was ich nur finden konnte.6Man kann auch folgen, ohne das zu tun, aber es macht es deutlich schwieriger. Sogar die Erzählstruktur entspricht nicht unseren Erwartungen. Genau das war es aber, was mich so fasziniert hat: Chinesische Fantasy ist anders, ungewohnt, neu.7Das nutzt sich nach einer Weile natürlich ab, weil es auch in Xianxia und Wuxia Genrekonventionen gibt, die sich wiederholen.8Abgesehen davon sind „The Untamed“ und z. B. „Word of Honor“ brillante Serien.

Und davon wünsche ich mir mehr

Als ich vorletztes Jahr versuchte, Krimis außerhalb unseres westlichen Kontexts zu finden, stieß ich zwar auf Bücher, die in anderen Kulturen spielen und einen einheimischen Polizisten als Hauptfigur haben, aber alle stammen von weißen Männern, die ein paar Jahre dort gelebt haben. Das ist nicht dasselbe wie ein Krimi (oder Fantasyroman) von koreanischen, peruanischen oder nigerianischen Autor*innen.9Auf der Suchen nach einem Blog über fantastische, asiatische Literatur habe ich drei Krimiempfehlungen aus Asien gefunden. Leider ist es jetzt zu spät, seitdem ich mich praktisch nur noch für chinesische Fantasy interessiere.

Die letzten Jahre hat sich auf dem deutschen Buchmarkt etwas getan hat. Schwarze Fantasy- und Science-Fiction-Autor*innen wie Nnedi Okorafor und N. K. Jemisin sind mehr in den Fokus gerückt und Liu Cixin konnte mit „Die drei Sonnen“ einen großen Erfolg verbuchen.

Literatur weltweit: Bücher chinesischer und afroamerikanischer AutorenAber nichtwestliche Literatur wird leider nach wie vor vernachlässigt. In Buchhandlungen und Bibliotheken findet man fast nur westeuropäische und nordamerikanische Autor*innen. Sie sind es, die normalerweise an Schulen gelesen werden und in Fach- und Sachbüchern besprochen werden. Die meisten Romane werden aus dem Englischen übersetzt, weswegen Stimmen aus nicht-englischsprachigen Ländern fehlen.

Das führt zu einer bestimmten, falschen Denkweise: Ich habe noch nie von einem berühmten chinesischen Autor gehört, also gibt es wohl keine. Wir haben in der Schule nie einen Klassiker aus Afrika besprochen, also gibt es wohl keine. Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu Fantasy dreht sich nur um westliche, also gibt es wohl keine erwähnenswerte in anderen Kulturen und Ländern.

So entgehen uns großartige Geschichten, Einblicke in andere Kulturen und Sichtweisen sowie erfrischend andere Erzählweisen. Xianxia, Wuxia, Xuanhuan oder Afrofuturismus sind nur ein paar Beispielgenres aus der weiten, unbekannten Welt nichtwestlicher Literatur. Wenn ihr offen dafür seid, mal etwas anderes auszuprobieren, dann habe ich am Ende noch ein paar Tipps für euch.

Zum Stöbern laden ein

Asian Fantasy Books auf Goodreads

Youtube-Kanal von AvenueX zu chinesischen Drama-Serien10Viele chinesische Serien beruhen auf Webnovels/Romanen. Dieser Kanal ist daher ein guter Startpunkt, um nach Xianxia- und Wuxialiteratur zu suchen – oder damit anzufangen, chinesische Serien zu schauen.

Interkontinental, ein Verein zur Förderung afrikanischer Literatur

Eine große Auswahl asiatischer Serien findet ihr legal und kostenlos auf Rakuten Viki11Auch „The Untamed“ 🙂

Reading Black Futures mit einer Liste weiblicher und männlicher phantastischer Schwarzer Autoren

„Bis wir uns fanden. Japans erstes schwules Ehepaar“

Cover des Mangas "Bis wir uns fanden. Japans erstes schwules Ehepaar", das zwei sich umarmende Männer zeigt.

Cover des Mangas "Bis wir uns fanden. Japans erstes schwules Ehepaar", das zwei sich umarmende Männer zeigt.Lange glaubte Ryousuke Nanasaki, es müsse eine Strafe sein, dass er schwul geboren war. Das schreibt er zu Beginn des autobiografischen Mangas „Bis wir uns fanden. Japans erstes schwules Ehepaar“ (erschienen 2022 bei HAYABUSA, einem Carlsen Imprint). Es war ein langer Weg, bis er sich akzeptieren konnte, wie er war. Von diesem Weg erzählt er in dem gleichnamigen Roman als auch in dem darauf basierenden Manga, den ich gelesen habe.

Für seine angeblich feminine Art wird Ryousuke Nanasaki schon als Kind gehänselt und als Jugendlicher als Schwuchtel bezeichnet. Mit aller Macht versucht er, ein „echter“ Junge zu sein. Aber dann verliebt er sich in seinen besten Freund und kann die Augen nicht mehr davor verschließen, dass er sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt.

Offen spricht der Autor über schmerzhafte Erfahrungen, peinliche Momente, durch sein „Anderssein“ ausgelöste Depressionen, Versuche, sich in Frauen zu verlieben und das jahrelange Schweigen über seine Homosexualität. Wir dürfen aber auch an den schönen Momenten teilhaben: seinem Coming-out, der Unterstützung, die er in seinem Tokioer Freundeskreis erhält, Datingerfahrungen und Beziehungen und seiner Hochzeit. Denn 2016 heiraten sein Partner und er und sind damit die ersten, die in Japan eine religiös anerkannte gleichgeschlechtliche Ehe eingehen.

„Bis wir uns fanden. Japans erstes schwules Ehepaar“ ist ein Manga, der mich sehr berührt hat. Er hat mir Einblicke in das Leben von jemandem ermöglicht, der Diskriminierung erfahren hat, die ich als heterosexuelle Frau nie erfahren werde. Wie es ist, wenn man sich rund um die Uhr verstellen muss. Wie es ist, mit der ständigen Angst vor Zurückweisung aufgrund der sexuellen Orientierung zu leben. Wie es ist, deshalb reelle Zurückweisung zu erleben. Umso schöner, dass es für den Autor ein Happy End gab.

Ryousuke Nanasaki wurde 1987 in Sapporo in der Präfektur Hokkaido geboren und lebt heute in Tokio. Er ist ein bekannter japanischer LGBT-Aktivist und gründete 2015 eine Hochzeitsagentur für homosexuelle Paare.

Littérature étrangère

deutsche Literatur in einer französischen Buchhandlung.

Ich gehe gern in Buchhandlungen. Und so habe ich meine Workation genutzt, um in Montpellier in einigen davon und in der Médiathèque Emile Zola1die Stadtbibliothek von Montpellier zu stöbern. Nun kann ich eventuell noch den Titel verstehen, aber da hört es mit meinem Französischkenntnissen meist auf. Daher begab ich mich auf die Suche nach fremdsprachiger Literatur2, die ich lesen kann. In meinem Fall heißt das deutsche oder englische.. „Littérature étrangère“ (fremde oder ausländische Literatur) schien mir die richtige Abteilung zu sein.

Was „fremde Literatur“ in Frankreich heißt

Regal mit deutschsprachiger Literatur in französischer Übersetzung bei der Buchhandlung Gibert JosephIn einer deutschen Buchhandlung finde ich in der Abteilung „fremdsprachige Literatur“ nicht deutsche Literatur in Originalsprache, d. h. größtenteils englische. Daher war ich überrascht, als ich vor den Regalen mit „Littérature étrangère“ stand. Denn ich fand unter der Bezeichnung die Übersetzungen nicht französischer Werke. Die Bücher sind dabei entweder nach Region (afrikanisch, asiatisch, skandinavisch) oder Originalsprache (japanisch, russisch, arabisch) unterteilt. Zwar macht auch hier Englisch den größten Teil aus, aber die spanischen Werke füllen ebenfalls mehrere Regale.3Ob das nur in unmittelbarer Nähe zu Spanien so ist?

Erst in der dritten Buchhandlung stieß ich auf eine Abteilung mit Büchern in anderen Sprachen4Vielleicht verstecken auch die anderen Buchhandlungen diese Bücher irgendwo, ich habe sie auch beim zweiten Mal nicht gesehen. – auch hier war, wenig überraschend, Englisch am stärksten vertreten, aber es standen auch zehn Reclam-Bände über die deutsche Geschichte da sowie „Also sprach Zarathustra“.

Nun war ich auch bei meinem ersten Besuch der Médiathèque Emile Zola5Ich gehe auch gern in Bibliotheken … bei der Suche nach deutscher, englischer oder anderer fremdsprachiger Literatur erfolglos geblieben, sondern stattdessen vor besagtem Regal mit der Littérature étrangère gelandet. Ich nahm mir also vor, einen zweiten Anlauf zu unternehmen. Es konnte doch nicht sein, dass eine so große Bibliothek keine Bücher in anderen Sprachen anbot. Und ich entdeckte sie! Die von mir gesuchten Bücher sind bei den Materialien zum Fremdsprachenlernen untergebracht, sowohl als zwei- als auch einsprachige Ausgaben. Amüsiert hat mich, dass hier auch Bücher stehen, die aus anderen Sprachen ins Deutsche übersetzt wurden, wie „Biss zum Morgengrauen“.

Was für deutsche Literatur sich in den Regalen findet

Welche deutschsprachigen Autor*innen hält man in Frankreich nun für lesenswert? Vor allem die Klassiker und Hochliteratur: Goethe, Günter Grass, die Manns, Stefan Zweig, Herta Müller, Franz Kafka, Robert Musil, Erich Maria Marquez, Hermann Hesse, Siegfried Lenz, Hans Fallada, Peter Handke, Friedrich Dürrenmatt. Auch Anne Frank und die Nibelungensage waren da.

Daneben gab es zum Glück auch Unterhaltungsliteratur, wenn auch deutlich weniger. Wolfgang Herrndorfer war mit „Tschick“ vertreten, Marc-Uwe Kling mit „Qualityland 2.0“, Patrick Süskind mit „Das Parfüm“6Oder gilt das als Hochliteratur? und Bernhard Schlink mit „Der Vorleser“, außerdem Nele Neuhaus und Charlotte Link.

Bei den Genres stehen ebenfalls ausländische Autor*innen. Deshalb habe ich die Fantasyabteilung bei Gibert Joseph durchforstet, aber keine deutschsprachigen entdeckt. Sonst waren größtenteils die vertreten, die ich auch aus Deutschland kenne, u. a.: Andrzej Sapkowski, Robert Jordan, Brandon Sanderson, Ursula K. Le Guin.

Warum ich die Littérature étrangère gern als Kategorie in Deutschland hätte

Es war zwar erst einmal verwirrend, was unter dieser Bezeichnung in Frankreich verstanden wird, aber dann gefiel mir die Kategorie sehr gut. Weil sie fremdsprachige Autor*innen sichtbar macht. Wenn ich in eine deutsche Buchhandlung mit dem Ziel gehe, mir Literatur von italienischen, polnischen oder chinesischen Autorinnen anzuschauen, stehe ich vor dem Problem, wie ich sie finden soll. Denn bei uns ist alphabethisch geordnet, und wenn ich namentlich keine polnische Autorin kenne, dann wird es schwierig. Dabei wäre es aus meiner Sicht so bereichernd, wenn wir breit gefächerter lesen und fernsehen und mehr Kunst und Kultur aus anderen Kulturen kennen würden.

La Comédie du Livre

Halle mit Büchern auf der Comédie du LivreAm Sonntag, dem 14. Mai, kamen mein Freund und ich zufällig an der Promenade du Peyrou vorbei und stellten fest, dass dort die Buchmesse  La Comédie du Livre7Link zur französischen Wikipedia-Seite stattfand.8Nicht, dass wir nicht schon seit Wochen die Plakate gesehen hätten, die die Innenstadt fluteten, aber ihr wisst ja, solche Ereignisse kommen trotzdem immer so plötzlich. Da der Eintritt frei war,  schlenderten wir drüber. Es waren vier Zelthallen mit Büchern und eine für Veranstaltungen und wie gesagt, mein Französisch macht nicht viel her, weshalb ich größtenteils die Cover bewunderte, aber ich fand es trotzdem toll: dass es in Montpellier eine Buchmesse gibt, dass Dutzende der Autor*innen anwesend waren, dass die Genres so breit gestreut waren (Mangas und Comics, Regionalliteratur, Bildbände, Romane, Kinderbücher, historische Sachbücher …) und dass es so gut besucht war. 

Wart ihr in anderen Ländern in Buchhandlungen, Antiquariaten,  Bibliotheken oder auf Buchflohmärkten und welche Erfahrungen habt ihr dort gemacht?